Montag, 5. März 2012

BREAKING NEWS - Eisdamm kollabiert

Wir haben DAS Naturspektakel überhaupt nur ganz knapp verpasst. Letzte Nacht ist der Eisdamm des Perito Moreno Gletschers, den wir vor gerade mal 12 Tagen besucht haben, zusammen gebrochen. Daß es nachts war, tröstet ein wenig, weil wir so ohnehin keine Chance gehabt hätten diesen Moment live zu erleben. Dieses Großereignis findet nur alle paar Jahre statt.

In folgenden Artikel sind zwei interessante Videos eingebunden. Der erste zeigt einen kurzen Live-Mitschnitt von mächtigen Eistürmen vorgestern, sozusagen der Beginn des Einsturzes und der zweite zeigt den Total-Kollaps von 2008, der sich sehr spektakulär während des Tages ereignete.
http://vivalatinoamerica.wordpress.com/2012/03/04/naturschauspiel-perito-moreno-gletscher-der-grose-abbruch-2012/

Auch das auf YouTube gefundene Video ist vom argentinischen Fernsehsender "Canal nueve" und absolut sehenswert:
http://www.youtube.com/watch?v=kda0Bq9M1dw

Entwas Hintergrundinformationen liefert dieser Artikel:
http://latina-press.com/news/120621-tausende-menschen-beobachten-abbruch-am-perito-moreno-gletscher/

Ich hoffe, ich hab mir mit diesem Copy&Paste keine Scherereien zwecks Urheberrechten aufgehalst! Kennt sich damit jemand aus?

Sonntag, 4. März 2012

Perito Moreno Gletscher

Um 8 Uhr fahren wir mit dem "Tiefkühlbus" - die Busse sind hier notorisch frostig klimatisiert, so dass ich nicht selten mit der Daunenjacke dasitze - in den Nationalpark Los Glaciares und nehmen dort gleich das erste Boot. Wir haben mal wieder unglaubliches Wetterglück. Trotzdem ist es im Fahrtwind des Bootes ziemlich frisch - angeblich 1°C.



Der Gletscher hat aktuell die Verbindung der beiden Seen gekappt. Die 15 bis 70m hohe Eiswand über Wasser zu der nochmal bis zu 100m unter Wasser dazu kommen, haben den Pegel des abgetrennten Teil des Sees, der keinen natürlichen Abfluß hat, um 6m ansteigen lassen. Zuletzt 2008 hat der Eisdamm dem Wasserdruck nachgegeben - ein Naturschauspiel der besonderen Art weswegen der Perito Moreno Gletscher weltweit so bekannt ist. Der Gletscher bewegt sich in der Mitte 1m pro Tag, was wir später von den Balkonen noch eindrücklich zu sehen bekommen sollten.

Der Bus fährt uns zu den Aussichtspunkten, wir gehen aber erstmal zum Aufwärmen einen Cafe trinken. Die gut zweieinhalb Stunden bis wir wieder in den Bus steigen mußten, waren schnell vorbei. Und das obwohl wir garnicht großartig auf den Stelzenwegen rumliefen, sondern mehr oder minder die ganze Zeit an ein und derselben Stelle standen und einfach nur beobachteten und staunten wie sich die Lichtverhältnisse änderten und ab und zu Eis vom Gletscher abbrach und ins Wasser fiel.



Dort wo vorhin unser Boot war, muß was Riesiges abgebrochen sein, denn es rumpelt sehr laut und lang, obwohl es weit weg und ums Eck ist. Die Eismassen treiben eine halbe Stunde später noch auseinander. Ebenso am ganz rechten Ende. Wir konnten sehen wie eine große Flutwelle dem Ufer entlang lief. Auch in relativer Nähe brach ein Eisturm zusammen bzw. kippte ins Wasser. Beeindruckend! Das Einstürzen selbst ging natürlich viel zu schnell, aber wie sich die Wellen ausgebreitet und an den Eisbergen und am Ufer gebrochen haben, konnte ich filmisch festhalten.

Samstag, 3. März 2012

Cerro Torre und Fitz Roy

1. TAG: Wir lassen es ruhig angehen
Die nächsten fünf Tage wollen wir im Nationalpark Los Glaciares wandern und hoffen dabei die namhafte Granitnadel Cerro Torre und den 3405m hohen Fitz Roy zu sehen. "Hoffen" deshalb, weil vielen Besuchern der Blick auf diese tollen Berge verwehrt bleibt und sie selbst bei mehrtägigem oder gar wochenlangem Aufenthalt nur eine Wolkenwand zu sehen kriegen.



Die heutige Etappe führt uns vom Ort El Chalten zur Laguna Torres. Dafür, dass es heute regnerisch sein soll, ist es echt super: 15°C und nur teils bewölkt. Die Rucksäcke sind sehr schwer. Schon nach einer Stunde machen wir die erste Pause und genießen die tolle Aussicht. Nochmal etwas später Mittagspause mit Brötchen und Wurst. Wir lassen ruhig angehen. Nach knapp vier Stunden erreichen wir das Camp Agostoni. Das Zelt ist schnell aufgebaut, so dass wir uns Wichtigerem widmen können: Cafe mit Keksen. Anschließend gönnen wir uns einen gemütlichen Mittagschlaf.


17Uhr starten wir zu unserem Nachmittagsspaziergang: in wenigen Minuten zur Laguna Torre und ca. eine Stunde weiter dem Cerro Torre entgegen bis zum Mirador Maestri. Leider ist außer dem markanten "Felstisch" am Fuße des Cerro Torre nichts zu sehen; alles ist dick mit Wolken verhangen.





Zu Essen gab es heute Chili con Carne und zum Nachtisch Blaubeer Joghurt - beides Globetrotter-Tüten. Heißes Wasser rein, umrühren, Zip wieder verschließen, 10 Min. warten - fertig! So kann sogar ich kochen :-)



1. NACHT: Patagonien gibt eine kleine Wetterkostprobe
Keine Sorge ich werde nicht von jeder einzelnen Nacht berichten, aber diese war besonders. Ich hab nämlich kaum geschlafen. Zum einen natürlich die harte Unterlage bestehend aus einer dünnen Schaumstoffmatte, welche mir die Niederländerin geschenkt hatte, da sie ihre Wanderaktivitäten bereits abgeschlossen hatte. Zum anderen das ungewohnt beengte Schlafen im Schlafsack, aber das ist ja alles normal beim Zelten. Hinzu kam das mir etwas kalt war, insbesondere am Kopf - also mitten in der Nacht Mütze auf. Besser! Für Gesicht und Nasenspitze bringt das allerdings nichts, die sind eiskalt. So soll man schlafen?

Die meiste Unruhe bescherte mir allerdings der Regen, der kurz nach dem zu Bett gehen eingesetzt hatte und nicht mehr aufhören wollte. Ersten müßte ich mal und zweitens mache ich mir Sorgen, ob das Zelt dicht hält bzw. ob mein Rucksack, der in der Apside liegt, gerade absäuft. Ich schaue zweimal nach und rücke ihn noch näher ans Zelt. Außerdem stelle ich mir vor, wie wir morgen bei Regen das patschnasse Zelt abbauen und bei Regen und Wind weiter wandern. All diese Gedanken konnte ich nicht abstellen und so brachten sie mich um den Schlaf. Wir hatten uns für 5:45 Uhr den Wecker gestellt um eventuell den Sonnenaufgang zu bewundern. Da es aber immer noch leicht tröpfelt, verwerfen wir den Plan. ich nutze trotzdem die Gelegenheit mal eben raus zu krabbeln. Die anschließenden 2,5 Stunden ohne Regen dafür mit entspannter Blase und zusätzlich einem Pulli an, schlief ich dann noch einigermaßen.

2. TAG: Cerro Torre und Fitz Roy vor stahlblauem Himmel
Als wir um halb neun aus dem Zelt kriechen, werden wir mit einem atemberaubenden Blick auf den Cerro Torre für die unruhige Nacht entschädigt. Kleine Wolkenfetzen zeigten mal den einen mal den anderen Teil dieser senkrecht aufragenden Granitnadel; dahinter Wolken. Wir hatten schon Sorge, daß diese während wir früh-stücken dem schönen Schauspiel ein Ende bereiten und wir - wie gestern - auf eine weißgraue Wolkenwand blicken würden. Aber wir hatten Glück, das Gegenteil war der Fall. Die letzten Wolken-reste hatten sich verzogen und was wir zu sehen bekamen als wir vor zum See gingen, ist einfach unbeschreiblich.

Unbeschreiblich war übrigens auch der Wind. Wir mußten uns ihm richtig entgegenstemmen und wollten uns garnicht vorstellen, wie das wäre, wenn wir uns mit Rucksäcken, die einiges an Windan-griffsflächen bieten, hier entlang kämpfen müßten. Der See war vom starken Wind so aufgepeitscht, daß der Wellengang eher an offenes Meer erinnerte. Die Wellen klatschten ans felsige Ufer und der Wind trug die Gischt noch viele Meter weiter. Ich war wirklich sehr froh, die GoreTex-Hose und die Daunenjacke samt Kapuze anzuhaben - das war gerade recht. Wir hockten uns in den Wind-schatten einer aus Felsen aufgetürmten Mauer und sogen dieses fantastische Bild in uns auf. Der einzige Makel dieses perfekten Augenblicks war daß der Akku meiner Kamera schon wieder schlapp machte. Zum Glück kann Micha auch noch die nächsten drei Tage Fotos machen, denn die Bilder in meinem Kopf lassen sich so schlecht im Blog hochladen.

Es war bereits kurz vor 12 Uhr als wir das trockene Zelt - dem Wind sei Dank - abgebaut hatten und dieser herrlichen Szenerie den Rücken kehrten. Am Eingang zum Camp trafen wir vier Kletterer aus den USA. Einer von ihnen wartete bereits einen Monat auf gutes Wetter - bis soll die nächsten Tage schön bleiben. Was mir nicht in den Kopf wollte: deren Rucksäcke waren auch nicht größer als die unsrigen und sie hatten Seile, Kletterequipment, Steigeisen, Eispickel, Zelt, Schlafsack und Essen für eine Wochen dabei.

Mittagspause machen wir an einem Platz von dem wir den Anblick des Cerro Torre vor mittlerweile stahlblauem Himmel ein letztes Mal genießen konnten. Die nun folgende Landschaft war sehr abwechslungsreich: eben noch Gletscher und Gipfel, jetzt liebliche Seen, Wiesen und Wälder. Am Lago Madre machen wir mit Blick auf den Fitz Roy oder vielmehr den gesamten vergletscherten Talkessel eine kurze Pause.

Auch heute kamen wir mit den sehr schweren Rucksäcken nicht optimal zurecht, so daß wir mehr als froh waren, sie um kurz nach 16Uhr am Campamiento Poincenot absetzen zu können. Hier ist schon mehr los - 25 Zelte, statt der neun letzte Nacht. Zeltaufbau geht wieder ratzfatz und anschließend gibt es wieder Cafe mit Keksen. Statt dem Mittagschläfchen machen wir noch einen kleinen Spaziergang in Richtung der Laguna Sucia. Als uns das Steinehopsen im Bachbett zu mühsam wurde und wir auch noch auf die andere Seite hätten wechseln müssen, kehrten wir um. Nach einem erneut grandiosen Campingessen (manche von den Tüten schmecken sogar), verkriechen wir uns früh in Zelt und Schlafsack, denn morgen wollen wir ja früh raus.

3. TAG: Sonnenaufgang am Fitz Roy
Um 4:45 Uhr geht der Wecker. Es fällt schwer aus dem warmen Schlafsack zu kriechen. Aber bereits der mit Sternen übersähte, wolkenlose Himmel läßt mich dies schnell vergessen. Das wird ein fantastischer Sonnenaufgang am Fitz Roy mit der Laguno de los Tres im Vorder-grund. Wir sind rechtzeitig dran, brauchen also nicht zu hetzen. Die 500 Höhenmeter Aufstieg sind steil, wir halten ab und zu inne um die sich verändernde Morgen-dämmerung zu beobachten: von schwarz, nach grau, Konturen werden sichtbar, dann wird es bläulich, langsam sogar etwas orange. An diesem Farbenspiel in Bergumgebung werde ich mich nie sattsehen.

Etwa halb sieben waren wir oben, mußten also noch etwas auf die ersten Sonnen-strahleen warten. Zum Glück hatte ich meine Fleece- und die GoreTex-Hose, sowie die Daunenjacke, Mütze und Handschuhe mitgenommen und zog alles an; so mußte ich nicht frieren beim Warten. Wobei nichtmal ein Wind ging - so völlig unpatagonisch. Es waren nur zehn weitere Leute oben, um das Spektakel zu beobachten, bei knapp 30 Zelten hatten wir einen unangenehmen Massenauflauf befürchtet. Den Prozeß und die Stimmungen vom ersten Sonnenstrahl am Gipfel bis der gesamte Berg im Sonnenlicht erstrahlt zu beschreiben, ist schlichtweg unmöglich. Jeder Moment neu, anders - ein Unikat!

Wir wußten, daß es schön sein soll, aber so schön! Und das Ganze vor einem postkartenverdächtigen stahlblauen Himmel. Eigentlich paßt das auf keine Kuhhaut, welch Wetterglück wir haben. Gestern noch seien hier die Leute umgeweht worden, wenn sie zum Foto-grafieren aus dem Windschutz heraustraten. Wir werfen auch noch einen Blick von oben auf die Laguna Sucia, die wir gestern Nach-mittag nicht mehr erreicht hatten - beeindruckend eingequetscht zwischen steilen vom Gletscher glattgeschliffenen Felswänden.


Wieder am Zelt im Wald, nehmen wir unser Frühstück und setzen uns damit am Rio Blanco in die Sonne. Aufgrund der fehlerhaften argentinischen Karte verpassen wir den richtigen Abzweig und müssen dann Querfeldein um wieder auf den Weg zu kommen, der ganz unten am Fluß entlang führt. Die runden Steine dort sind beschwerlich zu gehen, der Aufstieg zum Glaciar Piedras Blancas auch, aber er lohnt sich. Wir sitzen nicht all zu lange dort, weil wir noch einen große Strecke vor uns haben. Trotzdem brechen vom Hängegletscher immer wieder Brocken ab.

Eine Stunde weiter sehen wir drei schwarze Spechte, zwei davon mit feuerroten Köpfen. Als sie weggeflogen sind, entdecken wir den Abzweig der vom Flußbett weg in den Wald führt. Ohne die Spechte wären wir eventuell daran vorbeigelaufen. Es geht z.T. steil aufwärts, obwohl die Etappe im Rother Wanderführer als nur abfallend beschrieben war. Das sich Hochdrücken mit den schweren Rucksäcken - heute habe ich das 3,5kg schwere Zelt - ist echt hart und wir wollen nurnoch ankommen. Es sind aber noch 8km, noch 6km u.s.w. Die Intervalle in denen wir kurz Rasten oder zumindest mal die Rucksäcke absetzen, werden immer kürzer. Endlich, halb sechs haben wir das Refugio Piedra del Fraile erreicht. Es ist ein privater Campingplatz und somit im Gegensatz zu den vorangegangenen kostenpflichtig. Die umgerechnet 10,- Euro beinhalten aber auch Duschen. Nach einem großen Topf Spagetti Napolitana liegen wir, weil es draußen kalt ist, im Zelt. Und weil ich so kaputt bin, mach ich schon um halb zehn die Augen zu.

4. TAG: Tageswanderung zum Paso Cuadrado
Wir hatten offenbar tatsächlich viel Erholung nötig, denn wir schliefen fast zwölf Stunden. Nach einem gemütlichen Frühstück starten wir kurz nach 11 Uhr. Insgesamt sollten es 1300 Höhen-meter werden und es ging wirklich sehr steil aufwärts. Allmählich eröffnete sich uns der Blick aufs südliche patagonische Eisfeld.




Auch von dieser Seite ist dem Fitz Roy ein kleiner Gletschersee vorgelagert auf dem kleine Eisberge schwimmen. Hier befindet sich das Basecamp der Fitz Roy Kletterer, die alle hellauf begeistert gar euphorisch sind, weil sie die letzte Tage so viele schöne Routen machen konnten. Schon allein die Zustiege zum jeweiligen Wandfuß, die sie beschreiben, klingen für mich haarsträubend. Das letzte Stück bis zum Pass führt zunächst über Gletscherschliff, dann über ein Schneefeld, welches aufgrund der fortgeschrittenen Stunde glücklicherweise weich ist und auch ohne Steigeisen gut zu begehen ist.

Zum Schluss noch ein paar Meter leichter Kletterei, dann verschlägt uns der Ausblick fast den Atem. Vor uns liegen zwei vergletscherte Talkessel und die Rückseite des Cerro Torre ist zu sehen. Wir können uns wirklich kaum losreißen, aber da es schon fast 17 Uhr ist, wird es Zeit den Rückweg anzutreten. Zwei Stunden später sind wir wieder am Zelt und kochen uns ein Zweigänge-Menü: erst die restlichen Spagetti mit Soße und danach das Gemüserisotto von Globetrotter.

5.TAG: Zurück in die Zivilisation
Zeltabbau ist mittlerweile Routine, halb elf laufen wir los und erreichen nach zwei Stunden die Strasse. Mehr schlecht als recht quatschen wir mit zwei brasilianischen Kletterern. Als diese von Freunden abgeholt werden, können wir auf der Pritsche des Pickups mitfahren. Schneller, billiger und natürlich mehr Abenteuer als 1,5 Stunden auf den Bus zu warten. Wir werden an einem Waffel-Restaurant abgesetzt und kehren spontan ein. Danach nimmt das "Drama" um die Busfahrt nach El Calafate seinen Anfang, was unter "Herausfordernder Logistik" beschrieben ist.

Durchatmen

Bevor ich mich hinter das Verfassen der großen Berichte über die letzten zwei Wochen und das Bilder-Selektieren klemme, was etwas dauern könnte, hier mal schnell ein kurzes Lebenszeichen. Jetzt ist erstmal Durchatmen, Abhängen und Eindrücke verarbeiten angesagt.

Zunächst hatte ich mich geärgert, dass ich nach dem Trekking sechs Tage in Puerto Natales festhänge und nur darauf warte, daß das Navimag-Schiff ablegt. Jetzt bin ich ganz froh drum. Denn die knapp zwei Wochen bis zum Treffpunkt mit Michael, waren doch ziemlich durchgetaktet. Und die Eindrücke der beiden großen Trekking-Touren waren so unglaublich vielfältig, dass es gut ist, ein paar Tage Zeit zu haben, damit sich Alles setzen kann. Außerdem sollte ich mir langsam Gedanken über die weitere Reiseroute machen. Wenn ich nächste Woche in Puerto Montt vom Schiff steige, habe ich nurnoch das Cochamo-Tal als konkretes Ziel, das ich ansteuern will, für danach bin ich noch planlos.

Als Micha am Mittwoch früh mit dem Bus abfuhr, mußte ich schon kräfitg schlucken. Es ist eben doch was anderes, wenn man gemeinsam mit einem Freund erlebt und das Erleben und Erinnern teilt - egal ob abends bevor man sich die Schlafsackkapuze über die Ohren zieht oder auch später back in good old Germany.

Die nächsten Beiträge haben dann auch wieder Fotos und vielleicht binde ich auch ein Filmchen ein - das Warten lohnt sich also ;-)

Mittwoch, 22. Februar 2012

Herausfordernde Logistik

Bevor ich für eine Woche zum Trekking in den Nationalpark Torres del Paine entschwinde, stelle ich noch schnell eine kleine Anekdote ein. Den Bericht über die Tour am Cerro Torre und Fitz Roy reiche ich nach.

Nach so viel Wetterglück im Nationalpark Los Glaciares mussten wir einige logistische Rückschläge hinnehmen bzw. Herausforderungen meistern. Aber immer schön der Reihe nach: Wir hatten gehofft, vergleichbar zur Hinfahrt den mittleren von drei täglichen Bussen nehmen zu können. Leider gibt es diesen Nachmittagsbus von El Chalten nach El Calafate nicht. Zwei andere Busgesellschaften boten je eine Fahrt um 18:30 Uhr an - leider ausgebucht. Außerhalb des Busterminals fanden wir - eher durch Zufall - eine kleine Reiseagentur, die uns für 19 Uhr eine Fahrt vermitteln konnte. Na gut, dachten wir, kommen wir eben erst etwas später an.

Das bisher schönste Hostel meiner Reise war das America del Sur in El Calafate. Dort wollten Micha und ich nach unserer Rückkehr von unserer ersten Wander-Runde absteigen. Nach unserem zweiten Wandertag hatten wir absehen können, wann wir wieder dort sein würden und ein französisches Pärchen gebeten, das einen Tag vor uns zurück in der Zivilisation sein würde, für uns zu reservieren. Nach fünf Tagen zurück in El Chalten, stellte sich allerdings heraus, dass unsere Idee nicht aufgegangen ist. Besagtes Hostel hatte keinen Platz für uns und auch alle anderen...

Dienstag, 21. Februar 2012

Busreise vom Ende der Welt

Dass Ushuaia nicht nur der südlichste Punkt meiner Reise ist, sondern tatsächlich auch das Ende der Welt, realisierte ich erst so richtig, als ich der Stadt per Bus den Rücken kehrte. Beide Busgesellschaften bedienen die Strecke von Ushuaia nach El Calafate mit Umsteigen in Rio Gallegos zur selben unchristlichen Zeit um 5 Uhr morgens. Die ersten vier Stunden der Fahrt hab ich zum Glück verschlafen. Dann wurde ich geweckt, weil ich für die ca. 200km lange Transitstrecke durch Chile diverse Formulare für die Grenze auszufüllen hatte. Bis zur Grenze war noch eine Stunde Zeit, um das Obst, welches ich gestern gekauft hatte, als Frühstück zu verzehren bzw. zu verschenken, denn bei den Chilenen darf man weder frisches Obst oder Gemüse noch unverkochte tierische Produkte einführen. Der Grenzübertritt verlief mit nur einer Stunde für hiesige Verhältnisse recht zügig; man hört das kann schon auch mal vier Stunden dauern.

Als der Bus nurnoch etwas schneller als Schritttempo einer einspurigen Schotterpiste entlang holperte, die mehr an einen Feldweg erinnert als an eine offizielle Strasse für Busse und LKWs, hatte ich kurz Zweifel, ob der Busfahrer nicht irgendwo falsch abgebogen ist. Aber ein Blick auf meine Karte verriet mir, dass dies für die nächsten gut 100km so weiter gehen würde und wir auf direktem Weg Richtung Magellan Strasse waren, an deren engster Stelle wir übersetzen würden.

Im Vorfeld meiner Reise war ich sehr unschlüssig, ob ich überhaupt ein Netbook und oder Smartphone mitnehmen sollte. Was man nicht dabei hat, kann einem nicht gestohlen werden, außerdem hatte ich Bedenken, dass es eventuell unnötiger Balast sei. Aber schon nach kürzester Zeit, war ich wirklich froh drum. Nicht nur um Hostels oder beispielsweise das Navimag Schiff zu buchen, sondern auch um unterwegs an meinem Reisebericht schreiben zu können. Mit Papier und Stift wäre das auf dieser Schotterpiste unmöglich oder zumindest hinterher unlesbar; tippen geht einwandfrei.

Wandern auf Tierra del Fuego

Die Insel Feuerland wird durch die Magellan-Straße vom Festland getrennt, ist etwa zweimal so groß wie Hessen und wurde letztendlich mit dem Lineal zwischen Argentinien und Chile aufgeteilt. Die erste meiner Tageswanderungen von Ushuaia aus machte ich in den Nationalpark Tierra del Fuego. Im Bus zum Lago Roca lernte ich ein französisches Pärchen aus Bordeaux kennen, die ebenfalls den Cerro Guanaco (913m) zu ihrem Wanderziel erklärten. So starteten wir also gemeinsam um 11 Uhr zunächst dem See entlang und dann aufwärts durch den Wald. Als wir die Baumgrenze erreichten, die hier schätzungsweise bei 600m liegt, öffnete sich ein fantastischer Blick auf Beagle-Kanal, die umliegenden Berge einschließlich Cerro Sarmiento und auf türkisfarbene Seen.

Den Gipfel erreichten wir nach 2,5 Std. statt der angegebenen 4 Std. ohne uns beeilt zu haben. Aber das hatte ich von Deutschland aus schon gehört, dass die Gehzeiten hier sehr großzügig bemessen sind. Das ist mir auch ganz recht so. Denn wenn man den heutigen Tag als Formtest für das anstehende mehrtägige Trekking mit Zelt etc. nimmt, muß ich zugeben, dass er erschreckend negativ ausgefallen ist. Nicht nur, dass ich den Aufstieg anstrengend fand, sondern ich spürte bereits zu Beginn des Abstiegs, dass ich am nächsten Tag einen ordentlichen Muskelkater haben würde.

Und so war es dann auch. Aber was hilft da am besten? Richtig, gleich noch eine Wanderung. Ziel heute sollte die Laguna Esmeralda oder der dahinter liegende Gletscher sein. Zwei niederländische Mitstreiter, die sich auf dem Navimag-Schiff kennengelernt hatten, hatte ich bereits am Vorabend im Hostel gefunden. Als ich allerdings morgens um 7 Uhr mal aus dem Fenster schaute, war es draußen so finster und stürmisch, dass es eher nach einem gemütlichen Tag im Hostel aussah. Doch zwei Stunden später bei Frühstück sah die Welt schon wieder anders aus. Mit dem Bus um 10 Uhr fuhren wir ins Valle de Lobos, wo wir für 10 Pesos jeder eine Skizze des Routenverlaufs erwerben mussten. Zusammen mit über 50 anderen Wanderwütigen (heute war Sonntag) hörten wir uns noch die Erklärung zur Skizze an - im Wald würde man sich ja so leicht verlaufen und in den beiden morastigen Passagen ohne Markierungen erst recht. Na das klingt ja spannend. Da die niederländischen Mitstreiter ebenso allergisch sind auf Massenwanderung wie ich, legten wir zumindest für die erste Viertelstunde einen halben Schritt zu und waren bald für uns alleine.

Wir durchwanderten eine wunderschöne Landschaft. Ich hatte den Eindruck als befinde ich mich in einem breiten Hochtal, durchzogen von einem türkisfarbenen Fluss, der hier und da durch Bieberdämme aufgestaut ist, so dass ich mich - wie auch schon am Vortag - sehr an Kanada erinnert fühlte. Die Laguna Esmeralda war wunderschön gelegen und als wir dem Seeufer entlang spazierten begegneten wir diesem neugierigen Fuchs - kein bisschen scheu, wie man eventuell erwartet hätte. Abends im Hostel wurde ich aufgrund meiner unrunden Gangart doch tatsächlich gefragt, ob ich mich verletzt hätte. So viel zum meiner aktuellen Form...


Montag, 13. Februar 2012

Beagle-Kanal von seiner sanften Seite

Ich hatte mich bei der Bootstour für ein kleines Schiff mit ca. 10 Personen entschieden mit dem Risiko, dass die Tour bei all zu heftiger See nicht stattfindet. Aber heute legten die zwei kleinen Boote 15 Uhr für den etwa vierstündigen Ausflug ab. Um meine Spanischkenntnisse weiter voranzutreiben, ließ ich mich für das rein spanische, statt bi-linguale Boot einteilen, denn sonst flüchtet man sich ja doch immer in Konversationen mit Menschen, deren Sprache man beherrscht.

Mag es argentinische Übertreibung sein oder nicht, aber muß man dem Kapitän fast glauben, dass dies der schönste Tag des Jahres ist. Denn es ist nicht nur wolkenlos, sonnig und warm, sondern auch noch windstill - und das auf dem sagenumwoben, stürmischen Beagle-Kanal, der angeblich von Schiffsinhabern gerne gezielt dafür genutzt wird, einen Versicherungsfall zu provozieren - das, was man bei Häuslesbauern "Warmabriß" nennt.
Es war wirklich ein fantastischer Ausflug. Das Wasser des Beagle-Kanals lag topfeben da und erinnerte mich eher an Bodensee bei Sommerhitze, statt an eins der gefährlichsten Gewässer der Welt. Wir passierten eine Insel mit Kormoranen, eine mit Seelöwen und eine Leuchturm-Insel, um auf einer weiteren einen kleinen ge-führten Spaziergang zu machen. Wir lernen eine Pflanze kennen, die sonst im Hochgebirge über 4000m wächst; hier fühlt sie sich auf Meeresniveau wohl - ein Beweis dafür ,welche Art von Klima hier sonst normalerweise herrscht. In ihrem Inneren hat die Pflanze ganzjährig eine Temperatur von 27°C, bricht man sie auf, um dies zu fühlen oder zu messen, stirbt sie.

Der Kapitän ist etwas argentinisch aufdringlich - festzumachen daran, dass bereits nach wenigen Minuten Aussprüche kommen wie "ich habe mich in Deinen Augen verliebt" etc. Aber darauf hatte mich nicht nur eine nette Kollegin vorbereitet, sondern auch die Portena, die uns in Buenos Aires ihre Heimatstadt gezeigt hatte. Entsprechend wußte ich darauf zu reagieren und lehnte die Einladung auch noch bei der abendlichen Bootstour mitzufahren ab. Aber mit dem Crew-Mitglied Ariel, der Mitglied im Club de los Andes ist, unterhielt ich mich ausgiebig über die umliegenden Berge und Tourenmöglichkeiten, schließlich war der Cerro Sarmiento während unserer gesamten Fahrt ständig zu sehen. Der Berg ist zwar nur 2235m hoch und damit der zweithöchste der Darwin Kordillere, aber aufgrund des Klimas scheitern an ihm sogar ausgewiesene Experten. Morgen arbeitet Ariel, aber falls er Sonntag frei hat, meldet er sich eventuell - ich bin gespannt. Morgen gehe ich erstmal in den Nationalpark und auf den Cerro Guanaco - so seine Empfehlung - denn es soll nochmal so traumhaft schön werden wie heute.

Ushuaia - Fin del mundo

Der zweistündige Flug von Trelew nach Ushuaia ging direkt der Küste entlang. Mit den drei Fenstern direkt neben mir, hatte ich großen Spaß, auf meiner Landkarte zu verfolgen, wo genau wir gerade sind. Auch die Landzunge Punta Tombo, wo wir zuvor die Pinguine besucht hatten war eindeutig auszumachen. Als wir uns Feuerland näherten verschwand aber alles unter dichten Wolken. Ich bedauerte es sehr, nicht den großartigen Blick genießen zu können, der sich einem beim Landeanflug auf Ushuaia bietet.

Doch plötzlich tauchte das Flug unten aus den Wolken heraus. Wow! Das war also Feuerland... irgendwie "typisch" bzw. wie ich es mir vorgestellt hatte, dachte ich spontan. Der Beagle-Kanal lag in tiefdunklem, fast schwarzem Wasser unter mir, über mir dunkle Wolken, die umliegenden Berge waren steil und von unten zu zwei Drittel mit dunklem Wald bewachsen, die Gipfel der Darwin Kordillere schneebedeckt und die südlichste Stadt der Welt (Fin del mundo) wirkte eingequetscht zwischen Meer und dem direkt dahinter aufragenden Berg samt Gletscher. Insgesamt ergab sich ein bedrohlich wirkendes Bild.

Es hat nur 11° C und damit gut 20° C weniger als in Trelew und ist - wie sollte es hier anders sein - sehr windig. Eben noch saß ich auf einem der acht überbreiten Sessel in der Business Klasse und jetzt frage ich (statt Taxi) bei den diversen wartenden Abholservices, wer mich mit in die Stadt nehmen könnte. Das hat was! Und vor allem lernt man Locals kennen. Der Fahrer ist in Ushuaia geboren, der andere arbeitet auch als Guide und bietet mir an bei ihm Couch-Surfing zu machen, falls ich kein Hostel finde. Denn noch hatte ich keines und meine Internet-Recherchen am Vorabend hatte ergeben, dass alle ziemlich ausgebucht sind.

Die Wettervorhersage - sofern man dieser hier überhaupt Glauben schenken möchte - war für den nächsten Tag gut und so buchte ich für nachmittags einen Bootsausflug auf dem Beagle Kanal. Das Wetter am nächsten Tag war sogar so gut, dass es fast schade war, dass ich ausgeschlafen hatte, aber das musste mal sein. Außerdem hätte ich eh nicht gleich mit einer Wanderung oder ähnlichem Durchstarten können, weil noch ein paar logistische und organisa-torische Dinge zu erledigen waren. Zumindest ein paar Klamotten wollte ich zum Waschen abgeben und das Busticket nach El Calafate kaufen, um dort zum vereinbarten Zeitpunkt Micha am Busbahnhof einsammeln zu können.

Magellan Pinguine - putzige Tierchen

Die kleine Anekdote, die ich mit dem Ausflug nach Punta Tombo verbinde, hat mit Logistik und einem Missverständnis zu tun. Bevor ich die Tour buchte, fragte ich explizit welcher Anbieter den Tagesablauf so gestaltet, dass ich 16 Uhr in Trelew am Flughafen abgesetzt werden kann, um rechtzeitig für meinen Flug um 17 Uhr einchecken zu können. Da ich die einzige war, welche zusätzlich die kleine Bootstour mit den schwarz-weißen Delfinen gebucht hatte, ließen wir diese einfach auffallen. Geld, um mir die bereits bezahlte Tour zu erstatten, hatte natürlich weder der Guide noch der Fahrer dabei.
Es wurde hin und her telefoniert. Wir sind so verblieben, dass ich mir die Erstattung in El Calafate in deren Büro abholen - ich bin gespannt, ob das klappt. Vamos a ver.
Noch bevor wir den ersten Magellan-Pinguin zu Gesicht gekamen, kreuzte dieser Guanaco unseren Weg. Die Unterschiede zu Lama (domiziliert) und Alpaka werde ich sehr wahrscheinlich noch im Laufe meiner Reise lernen, jedenfalls gehören sie alle in die Familie der Kamele.

Ansonsten gibt es auf der Landzunge Punta Tombo eigentlich nur eins zu sehen: Magellan-Pinguine - davon aber ne ganze Menge. Die Zahlen schwanken zwischen 200.000 und 500.000 Tieren; fest steht, dass es die weltweit größte Brutstätte ist. Die Männchen kommen einige Tage vor den Weibchen an und richten das Nest des letzten Jahres wieder her. Es werden zwei Eier gelegt und in 40 Tagen ausgebrütet bis die Kleinen im November schlüpfen. Mit dem Jagen und Nachwuchs hüten wechseln die Etern sich ab. Nach drei Monaten haben die Jungen ihren Flaum verloren und können selbst ins Wasser. Noch ist ihr Gefieder aber eher gräulich statt schwarz. Erst nach einem Jahr bekommen sie das Gefieder, das sie aussehen läßt wie die ausgewachsenen Tiere. Dieser Gefiederwechsel - das sog. Mausern - hat manchmal witzige Zwischenstadien zur Folge.

Sind schon echt putzige Tierchen, kann man nicht anders sagen. Wenn sie sich nicht gerade selbst putzen und ihr Gefieder mit eigenem Sekret imprägnieren, zuppeln sie gegenseitig aneinander rum, blinzeln in die Sonne oder dösen. Am putzigsten ist es allerdings wenn sie Richtung Wasser watscheln. Sie sind perfekte Schwimmer (bis zu 45 km/h) und tauchen bis zu 60m tief, aber an Land... einfach unbeholfen! Vielleicht binde ich hier noch ein Filmchen ein, ich hab ein paar nette Sequenzen - auch von den Seelöwen.

Manch kleiner Flaumknäul schreit, als würde er im nächsten Moment verhungern. Ob es da Ähnlichkeiten zum menschlichen Nachwuchs gibt?! Niedlich zu beobachten war auch, wie die Jungtiere des Öfteren fleißig mit den Flügeln schlugen. Genetisch gehören sie zur Familie der Vögel, nur dass mit dem "flugunfähig" hat ihnen offenbar noch niemand gesagt. Naja, durch Eigenversuch lernt man ja auch so manches.

Spannend ist auch, warum die Tierchen vorne weiß und hinten schwarz sind. Sie stehen auf dem Speiseplan des Orcas, der unter ihnen schwimmt und die weiße Unterseite nur schwer von der gleißenden Wasseroberfläche unterscheiden kann. Umgekehrt sind die Raubfögel irritiert, weil aus der Luft betrachtet die schwarzen Rücken und das dunkle Wasser zu ähnlich sind. So, genug der Weißheiten, außerdem ist es schon 1 Uhr und um 5 Uhr geht mein Bus nach El Calafate. Von Feuerland berichte ich die Tage.


Seelöwen auf der Peninsula Valdes

Zwei Tage war ich in Puerto Madryn, um von dort die beiden beliebtesten Ausflüge zu machen: Die Peninsula Valdes mit ihrer großen Tiervielfalt und Punta Tombo wegen der riesigen Kolonie Magellan-Pinguine, die dort lebt. Zunächst war ich etwas enttäuscht, dass ich niemanden fand, der sich mit mir ein Auto mieten wollte, um die Halbinsel auf eigenen Faust zu erkunden. Im Nachhinein war ich wirklich froh, dass ich mich sozusagen einer geführten Gruppe anschließen musste. Denn der Guide war sehr nett und hat uns den ganzen Tag über mit interessanten Informationen über das Land und die Tierwelt versorgt. Außerdem hat er mich während der Busfahrt zu meinem aller ersten Mate Tee überhaupt eingeladen. Die Hauptattraktion um diese Jahreszeit sind die Seelöwen am Nordende der Halbinsel. Die Bullen werden bis zu 2,5m groß und bringen 300kg auf die Waage, die Weibchen wiegen nur knapp die Hälfte - kurzum es sind beeindruckende Kolosse.
Die unbewegten Bilder täuschen etwas, es war echt was los an dem Strand. Wehe da kam einer der Jungbullen einem der Weibchen zu nahe, da wurde sofort aus vollem Resonanzkasten gebrüllt oder sogar die Massen in Bewegung gesetzt. Falls dabei Nachwuchs im Weg ist, kann es passieren, dass dieser erdrückt wird. Seeelefanten gab es an diesem Tag leider nur gezählt zwei zu sehen und diese auch nur Pünktchen weit weg auf einer Kiesbank. Die Magellan Pinguine, die wir für ca. 10 Min. besuchten bevor wir die Rückfahrt antraten, waren auch noch schon anzusehen, aber davon sollte ich ja am Folgetag nach noch hunderte und tausende zu sehen bekommen. Fazit: Peninsula Valdes war für mich ein schönes Tiererlebnis, aber nicht ganz so beeindruckend, wie mir so mancher vorgeschwärmt hat. Aber das lag zum großen Teil bestimmt auch an der nicht ganz optimalen Jahreszeit. Einige Tiere wie z.B. Wale, Orkas, Seeelefanten sind derzeit einfach nicht da.

Samstag, 11. Februar 2012

Buenos Aires - urbane Vielfältigkeit

In vier Tagen Buenos Aires sieht und erlebt man so viel, dass ich hier nur ein paar Sachen herausgreifen möchte. Bewußt spreche ich nicht von Highlights, weil das in Bezug auf negative Erlebnisse und Eindrücke ziemlich schräg klingt. Denn neben schönen, ästhetisch perfekten Dingen, gibt es auch viel Armut, Schmutz und Verfall.

Klein und unscheinbar ist das Stadtmuseum, dessen aktuelle Ausstellung alte Spielzeuge zeigte. Genau das Richtige für mein derzeitiges spanisches Sprachniveau! Z.B. entdeckte ich "das häßliche Entlein" auf Spanisch. Nachdem der Museumsangestellte sehr eifrig erfragt hatte, woher ich komme, zeigte er mir stolz die beiden Merklin Eisenbahnen und den deutschen Steinbaukasten von 1890. Auch die original alte Apotheke am Eck ist ein echtes Kleinod!


Die geführte Besichtigung im Teatro Collon kostete zwar mehr als zwei Nächte im Hostel, ist aber absolut lohnenswert. Ein echter Prunkbau dessen Hallen mit unterschiedlichstem Marmor aus ganz Europa ausgestattet sind. Leider ist gerade Spielpause, sonst hätte ich versucht die legendäre Akustik dieses Saales bei einem Konzert zu erleben. Zumindest oben in der "Chicken box" - so werden die Stehplätze im fünften Rang genannt - wäre doch hoffentlich eins der etwa 2.500 Tickets kurzfristig verfügbar gewesen.

Ein weiteres außen wie innen wirklich schönes Gebäude die Casa Rosada - der Präsidentenpalast. In welchem anderen Land kann man diesen besichtigen? Man stelle sich vor, man könne einfach so durchs Weiße Haus schlendern und sogar noch den Präsidentenaufzug, -balkon und -saal betreten.
Ein absolutes Muss - und das zu Recht - ist der Friedhof in Ricoleta. Monumentale Grabmäler und Mausoleen dicht an dicht auf aller engstem Raum mitten in der Stadt. Wie auch sonst im Stadtbild reicht auch hier die Spanne von prachtvoll gepflegt bis heruntergekommen.
Gut gefallen hat mir das Museo de Bellas Artes de La Bocca im gleich-namigen ehemaligen Hafenviertel. Es zeigt viele Gemälden des berühmten argentinischen Malers Benito Quinquela Martin, der hier mehrere Jahre lebte und dessen Werke sehr lebendig das Leben und Arbeiten in diesem Viertel darstellen. Ich bin ja sonst nicht so der Galerien-Fanatiker,
aber diese ausdrucksstarken Bilder, die direkt am Ort des Geschehens entstanden sind, haben mich insbesondere durch ihre Authentizität beeindruckt.
Der Tango hat Buenos Aires viele Pluspunkte eingebracht; sowohl der Schnell-Kurs mit anschließender Show aber insbesondere der Straßentango in La Bocca. Obgleich die Gassen um El Caminito touristisch hergerichtet sind, hat es etwas hier herumzuschlendern.


Das Multikulti-Viertel San Telmo hat einen ganz eigenen gemütlichen Flair und hebt sich damit positiv vom hektischen City-Treiben hab. Bei meinem Sonntagsspaziergang hab ich den Flomarkt auf der Plaza Dorego besucht. Da ich weder der Trödel-Fan bin, noch gewillt war weiteren Reise-Balast zu erwerben, habe ich mich mehr für die Menschen hinter den Verkaufsständen interessiert. Am besten hat mir der "Hühnermann" gefallen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten! Gebäudefassaden verkommen, Gehwege sind kaputt (man muß aufpassen, dass man sich nicht den Fuß bricht, während man nach oben schaut) und sind mit Tretminen gepflastert. Das U-Bahn-System funktioniert anders als bei uns. Mit einem Ticket kann man so oft umsteigen, wie man will, solange man innerhalb des Systems bleibt. Erst wenn man raus und wieder rein geht, muß man einen neuen Fahrschein lösen. Dies begünstigt das Betteln in U-Bahnen und Pendlerzügen. Es kann gut sein, dass man nur sechs Stationen fährt und dabei drei fliegenden Händler erlebt, die von Buntstiften über Haargummis bis hin zu Chips oder Keksen so ziemlich alles verkaufen. Meistens sind es Kinder im süßen Alter von sechs oder sieben, die schon echt hart arbeiten müssen und vermutlich die gesamten langen Sommertage in den U-Bahnröhren verbringen.

Ich hab wirklich viel in Buenos Aires gesehen und meine neu gekauften Wanderhalbschuhe sind jetzt definitiv gut eingelaufen. Am größten war jedoch die olfaktorische Vielfalt, leider fast ausschließlich negativer Art. Da ich ja selbst das ganze Jahr mitten in städtischer Hektik lebe, zieht es mich nun ganz klar Richtung Natur.



Mittwoch, 8. Februar 2012

Pampa - beeindruckende Eintönigkeit

Ich hatte zugegebenermaßen schon etwas Bammel, wie ich die 19 stündige Busfahrt überstehen oder vielmehr durchhalten sollte. Aber es kam ganz anders. 19:30 Uhr sind wir mit nur 10 Minuten Verspätung - also pünktlich - losgefahren. Ich hatte "Cama" gebucht d.h. die Sitze sind so breit, dass pro Reihe nur drei statt vier nebeneinander und im gesamten doppel-stöckigen Bus nur 34 Platz finden. Buenos Aires verabschiedete mich mit einem tollen Sonnen-untergang in kräftigem Orange - fast kitschig - und mit einem herrlichen Abendhimmel, was ich von meinem Platz oben direkt hinter der Panoramascheibe besonders genießen konnte. Nach dem Essen brachte ich den Sitz in seine nahezu ebene Position und ließ mich bereits 22:30 Uhr in den Schlaf schaukeln. Kurz vor 9:00 Uhr wurde ich für das Frühstück geweckt. Ich hatte so gut geschlafen wie in keiner der vier vorangegangenen Nächte. In den Hostels war es schwül warm, ungewohnt hell und z.T. durch Straßenlärm oder Musik recht laut.

Als ich die Vorhänge aufziehe niedriges Buschwerk so weit das Auge reicht - Pampa. Nach einer Viertelstunde macht die Straße doch tatsächlich mal eine Kurve, später ein paar sanfte Hügel - also wirklich nichts spannendes. Ich bin froh, dass ich mir diese Eintönigkeit nicht noch eineinhalb Tage durch das Busfenster anschauen muss, sondern mir für die Strecke Trelew nach Ushuaia gestern ein Flugticket gekauft habe; auch wenn es nicht wirklich ein Schnäppchen war.

Delta des Rio Paraná

Nachdem ich die letzten Tage (Buenos Aires Bericht wird nachgereicht) offenbar immer Glück hatte und mit leeren U-Bahnen unterwegs war, hab ich jetzt doch noch das Vergnügen einer gedrängt vollen. Klar, gerade jetzt, wo ich vorne und hinten einen Rucksack hängen und alle meine Habseligkeiten dabei habe. Trotzdem komme ich unbeklaut am Hauptbahnhof Retiro an. Weil ich bei meinem Ausflug nach Tigre und ins Flussdelta nicht alles mitschleppen will, suche ich am Busterminal die Gepäckaufbewahrung auf. So ein klein wenig skeptisch war ich ja ehrlich gesagt schon, es machte aber einen gut organisierten Eindruck: man muß sich per Pass ausweisen, angeben wann ungefähr die Abholung ist, bezahlen und bekommt einen nummerierten Abholschein.

Für die Fahrt nach Tigre nahm ich bis Olivos den normalen Pendlerzug und dann den Tren de la costa. So bekam ich in Bahnhofsnähe einige Bretterbuden-Viertel zu sehen und später schicke Vororte mit einzelne Häusern mit gepflegten Gärten. Mit dem Mann am Infostand bedurfte es einiger Diskussion, weil er nicht vestehen konnte, warum ich weder die Touristen-rundtour im großen Katamaran, noch die Individualtour im kleinen Zodiak wollte, sondern einfach nur mit den Booten des normalen öffentlichen Verkehrs etwas umherschippern.            
Schließlich ging ich einfach zur Schiffsanlegestelle und bekam dort doch noch was ich wollte. Ohne lange Wartezeit ging es auch bald schon los. Das Boot war voll mit Portenos - so nennt man die Bewohner der Hafen Stadt Buenos Aires - alt und jung im Inneren und Gepäck samt Hund auf dem Dach. Manche leben dauerhaft im Delta, andere haben ihr Wochenend- bzw. Ferienhäuschen hier.
Was bei uns die Haustür ist, ist hier der Steg und alles wird mit dem Boot erledigt: Briefträger, Müllabfuhr, ja sogar der Supermarkt (Bild links) ist als Boot unterwegs.
Während der Fahrt über die Flussarme, welche verzweigt sind wie ein Strassennetz, sehe ich die unterschiedlichsten Domizile. Von verfallenen oder heruntergekommenen Hütten bis hin zu werbeprospekttauglich gepflegten, kleinen Paradiesen ist alles dabei.